Jiezi Shu (誡子書) – Zhuge Liangs Brief an seinen Sohn
Das Jiezi Shu (誡子書) ist ein Brief über die Lebensführung, den Zhuge Liang im Alter von 54 Jahren an seinen Sohn Zhuge Zhan schrieb. Auch viele Jahrhunderte später vermittelt er wertvolle Einsichten. Lebensweisen und Institutionen mögen sich ändern, doch die zugrunde liegenden Regeln kluger Lebensführung scheinen nahezu zeitlos zu sein. Der Brief enthält viele Grundsätze, die stets geübt werden sollten: Gelassenheit, Integrität, ein minimalistisches Leben und das Loslassen unwichtiger Dinge.
Vollständiger Text
君子之行 靜以修身 儉以養德 [jūnzǐ zhī xíng, jìng yǐ xiūshēn, jiǎn yǐ yǎngdé]
Ein edler Mensch kultiviert Körper und Geist durch innere Ruhe und nährt seine Tugend durch Genügsamkeit.
非澹泊無以明志 非寧靜無以致遠 [fēi dànbó wú yǐ míngzhì, fēi níngjìng wú yǐ zhìyuǎn]
Nur mit Integrität kann man sich ein großes Ziel setzen, und nur mit innerer Ruhe kann man es verwirklichen.
夫學須靜也 才須學也 [fū xué xū jìng yě, cái xū xué yě]
Beim Lernen braucht man innere Ruhe; Fähigkeiten werden durch Lernen erworben.
非學無以廣才 非靜無以成學 [fēi xué wú yǐ guǎng cái, fēi jìng wú yǐ chéngxué]
Ohne Lernen kann man seine Fähigkeiten nicht erweitern, und ohne Entschlossenheit kann man das Lernen nicht vollenden.
慆慢則不能硏精 險躁則不能理性 [tāomàn zé bùnéng yánjīng, xiǎnzào zé bùnéng lǐxìng]
Wer träge oder hochmütig wird, kann die tieferen Prinzipien nicht erkennen; wer ungeduldig und leichtfertig ist, kann seinen Charakter nicht beherrschen.
年與時馳 志與歲去 遂成枯落 [nián yǔ shí chí, zhì yǔ suì qù, suì chéng kūluò]
Das Alter eilt mit der Zeit dahin, der Wille schwindet mit den Jahren, und schließlich verdorrt man wie die Pflanzen im Herbst.
悲嘆窮廬 將復何及也 [bēitàn qiónglú, jiāng fù hé jí yě]
Was ließe sich dann noch zurückholen, selbst wenn man seine armselige Lage beklagt und darüber seufzt?
Themen:
Kategorie: Schnipsel/Zitat
Autor: Zhuge Liang