Soziale Marktwirtschaft
Die soziale Marktwirtschaft (Soziale Markwirtschaft) oder sozialer Kapitalismus (social capitalism) ist als Kapitalismusmodell der westeuropäischen Kontinentalstaaten, insbesondere Deutschlands, bekannt. Deshalb wird sie auch rheinischer Kapitalismus (Rhine capitalism) genannt.
Wegen des Wortes „sozial" (Sozial) wird sie leicht für ein Konzept im Umfeld von Sozialismus oder Sozialdemokratie gehalten, gemeint ist aber eine gemäßigte, liberale (liberal) Marktwirtschaft auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit, wie sie etwa die katholische Soziallehre vertritt. Sie strebt den Einklang von freiem Markt (Free Market) und sozialer Gerechtigkeit an und zielt auf den Wohlfahrtsstaat.
Die soziale Marktwirtschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland von der CDU-Regierung unter Konrad Adenauer eingeführt wurde, hat sich bis heute als Wirtschaftssystem in Deutschland und mehreren weiteren westeuropäischen Ländern etabliert.
Ausrichtung
Die soziale Marktwirtschaft fußt auf dem deutschen Ordoliberalismus[2]. Der Ordoliberalismus lehnt sowohl die Laissez-faire-Wirtschaft vor der Weltwirtschaftskrise als auch die Zentralverwaltungswirtschaft des Sozialismus, des Nationalsozialismus und des Faschismus ab und betrachtete aus der Position der liberalen Marktwirtschaft heraus auch „Wirtschaftspolitik der Mitte" wie den Keynesianismus, den Soziallliberale und Sozialdemokraten befürworten, kritisch.
Auf dieser ordoliberalen Grundlage strebt die soziale Marktwirtschaft einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz an. Da der Ordoliberalismus durchweg ein Konzept ist, das dem Wirtschaftsliberalismus und dem Neoliberalismus entstammt, misst er dem freien Markt hohen Wert bei, steht der Laissez-faire-Wirtschaft aber sehr misstrauisch gegenüber, weil dort Missstände wie Monopole auftreten.
Klassische Liberale wie Adam Smith verwiesen allein auf das Monopol staatlicher Hoheitsgewalt und strebten die Laissez-faire-Wirtschaft an; Ordoliberale wie Walter Eucken wiesen dagegen auch auf das Monopolkapital hin, das durch die Konzentration wirtschaftlicher Macht auf dem Markt entsteht. Der Ordoliberalismus sieht ein aktives Eingreifen des Staates dort als nötig an, wo es darum geht, eine faire Marktordnung zu etablieren, damit das Monopolkapital keine unlauteren Geschäfte und keinen unlauteren Wettbewerb betreiben kann.
Die soziale Marktwirtschaft verwirklicht sich dadurch, dass die folgenden drei sozialen Prinzipien geachtet werden.
Prinzip der Eigenverantwortung
Dies ist das Prinzip, wonach die Würde als Grundsatz der Achtung der Person in ihrer Menschenwürde, die Unantastbarkeit ihrer Rechte sowie die Freiheit des Einzelnen als universelle Werte der wichtigste Maßstab sein müssen, an dem gesellschaftliche Verhältnisse gemessen werden. Dieses Prinzip hat Vorrang vor den übrigen Prinzipien, etwa dem Solidaritätsprinzip oder dem Subsidiaritätsprinzip.
Solidaritätsprinzip
Das zuvor genannte „Prinzip der Eigenverantwortung" geht mit dem Solidaritätsprinzip einher. Das heißt, im Prinzip der Eigenverantwortung ist neben der Achtung der Person des anderen mit seiner eigenen Persönlichkeit auch das „Solidaritätsprinzip" enthalten, das die Bildung einer Gemeinschaft zur Pflicht macht. Selbstverständlich betont dieses Prinzip keine Gleichheit. Denn damit verstieße es gegen das erste Prinzip, das „Prinzip der Eigenverantwortung".
Subsidiaritätsprinzip
Ein Hilfsgrundsatz, der unterstützt, ausgleicht und eingreift, wenn sich ein Problem durch Eigenleistung und Solidaritätsprinzip nicht lösen lässt. Er darf jedoch nicht so wirken, dass er die Freiheit und die Eigenverantwortung der einzelnen Mitglieder und der Familie beschädigt. Subsidiarität muss durchweg als Katalysator für Eigenverantwortung und den Aufbau von Selbsthilfefähigkeit dienen.
Themen: Marktwirtschaft,Wirtschaftssystem
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